Ehemaliger Polizist: Auf und ab für die Gesundheit
Uwe Natterer hat sich auf den Verkauf von Reha-Trampolinen spezialisiert - 24.01. 10:07
Nürnberg - Aus Leid wurde Leidenschaft, und aus dieser sein Beruf: Uwe Natterer betreibt in Nürnberg das Geschäft „Lebenslust“. Den Namen hat er zum Programm gemacht: Mit einem besonderen Konzept will er bei seinen Kunden die Lust am Leben wecken.
Glaubt an die Heilkraft von Trampolinspringen:
Der ehemalige Polizist Uwe Natterer kann nach eigenen Angaben
durch das Hüpfen wieder beschwerdefrei durchs Leben gehen.
Foto: Ralf Rödel NN
Die Diagnose der Ärzte, die Uwe Natterer vor Jahren erhielt, klang erschütternd. Sein Rücken sei „kaputt, ohne Chance auf Heilung“. Er werde nicht darum herumkommen, sein Leben lang Schmerzmittel einzunehmen, lautete das Urteil der Mediziner.
Heute ist Natterer wohlauf — aber ohne Chemie. Selbstdisziplin und ein Trampolin halfen ihm nach eigenen Angaben, die Schmerzen wegzutrainieren. Doch nicht nur das: Das gefederte Sportgerät habe sein Leben verändert. „Lebenslust bedeutet für mich, beschwerdefrei durch den Tag gehen zu können, und das unabhängig von irgendwelchen Medikamenten“, erklärt Natterer. „Ich wohne gerne in meinem Körper.“ Dieses Gefühl wolle er an andere weitergeben.
Er hängte seinen Beruf als Polizist an den Nagel, ließ sich in der Schweiz zum Trampolintherapeuten und -trainer ausbilden und eröffnete einen Trampolinladen, erst in Erlangen, dann in Bamberg. Seit 2010 hat er sein Geschäft in der Nürnberger Altstadt. Der Name: Lebenslust. Neben Trampolinen gibt es dort noch weitere Produkte, die das Wohlbefinden von Körper und Seele fördern sollen, wie zum Beispiel spezielle Hocker für die richtige Sitzhaltung, Fußmatten für Reflexzonenmassage und basisches Aktivwasser.
„Bewegung allein reicht nicht, Gesundheit besteht aus mehreren Teilen, die wie Zahnräder ineinandergreifen. Dazu gehören ausgewogene Ernährung, Trinken, Stressabbau und das psychische Gleichgewicht“, erklärt Natterer sein Geschäftskonzept. Dieser ganzheitliche Ansatz ist nach seiner Einschätzung, was „Lebenslust“ von Ernährungsberatern, Krankengymnastik oder einem reinen Fitnessprogramm unterscheidet — eher eine Art Lebensberatung zur eigenen Ausgestaltung.
In seinem Geschäft gebe es nichts, was er nicht selbst lange Zeit getestet habe, sagt er. „Nur so kann ich sicher sein, dass die Produkte halten, was sie versprechen und kann meine Kunden beraten“, so Natterer. Sein Angebot vertreibt er auch über das Internet, und beliefert mittlerweile nach eigenen Angaben über 4000 Kunden bundesweit.
Im Laden bietet er verschiedene Trampolinmodelle an, die sich je nach Federung, Gewicht, Größe und Farbe unterscheiden. Zwischen 300 und 600 Euro kostet so ein „wolkenweicher Mundwinkel-nach-oben-Zieher“, wie Natterer seine Trampoline nennt. Während er selbst auf dem Gerät vorführt, welche Muskeln beansprucht werden, füllt sich der Laden mit Neugierigen.
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Skeptische Zuhörer
Die meisten lauschen seinen Worten eher zurückhaltend. Die anfängliche Skepsis kennt der ehemalige Polizist gut. „Viele denken, Trampoline seien Kinderkram, dabei werden sie schon seit etwa 20 Jahren für Reha-Zwecke benutzt“, sagt er. Seine älteste Kundin ist laut Natterer bereits 96, und reagierte anfangs ebenfalls kritisch. Nach der Probezeit wollte sie das Trampolin aber nicht mehr hergeben. „,Holen Sie das Geld ab, das Gerät behalte ich‘, sagte sie mir am Telefon“, erinnert sich Natterer.
Mittlerweile gehören ältere Menschen ebenso zu seinen Kunden wie Schwangere oder junge Mütter, die schon mal mit dem Baby auf dem Gerät wippen. An diesem Tag im Laden ist Angelika Böhm vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), die zwei Ehrenamtliche Helfer dabei hat, und diese aufs Netz schickt — zum Probetraining für einen Kurs, den ihr Verein nächstes Jahr für seine Mitglieder anbieten will. „Die Trampoline habe ich auf der in-viva Messe gesehen, da kam mir die Idee, das auszuprobieren“, sagt sie.
Auch bei Unternehmen hat sich Lebenslust schon herumgesprochen, Natterer bietet Beratungen und Trainings für Chefs und Mitarbeiter an, denn wer viel sitzt, braucht körperlichen Ausgleich. „Voraussetzung ist jedoch, dass der Chef zuerst aufs Trampolin steigt — weil er nur durch eigene Überzeugung auch seine Angestellten motivieren kann“, ist sich der ehemalige Polizist sicher.
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Quelle: Nürnberger Nachrichten vom 17.01.2012 geschrieben von Tanja Toplak


